Positive Leadership: Stärken entdecken und gemeinsam wachsen
- Autor
- Patrick Arpagaus
- Thema
- Führung & Unternehmenskultur
- Lesezeit
- ca. 6 Minuten
Was verändert sich, wenn wir im Arbeitsalltag bewusster darauf schauen, was Menschen stark macht? Wenn wir neben Herausforderungen auch Erfolge wahrnehmen und Fähigkeiten sichtbar machen, die im Tagesgeschäft manchmal verborgen bleiben? Seit rund einem Jahr gehen wir bei weroSoft diesen Fragen nach. Mit der Einführung von Positive Leadership möchten wir eine Kultur weiterentwickeln, in der Wertschätzung, persönliche Stärken und ein konstruktives Miteinander im Alltag ihren festen Platz haben.
Veränderung beginnt bei der Führung
Für uns war von Anfang an klar, dass sich Positive Leadership nicht einfach verordnen lässt. Wenn wir eine positive Haltung und einen stärkenorientierten Umgang miteinander fördern möchten, muss die Führung als Vorbild vorausgehen. Nicht gelegentlich, sondern im täglichen Handeln.
Mit der Unterstützung der Berner Fachhochschule und ihres Entrepreneurship Office haben sich unsere Führungskräfte deshalb zunächst mit den Grundlagen von Positive Leadership vertraut gemacht. Erste Übungen halfen dabei, Ansätze der Positiven Psychologie in den Führungsalltag einzubinden und eigene Verhaltensweisen zu reflektieren.
Unsere Überzeugung dahinter ist einfach: Eine positive, zuversichtliche Haltung und der bewusste Einsatz persönlicher Stärken schaffen gute Voraussetzungen für bessere Ergebnisse. Damit meinen wir nicht, Schwierigkeiten auszublenden oder alles schönzureden. Herausforderungen, Fehler und Kritik gehören weiterhin dazu. Entscheidend ist für uns, wie wir ihnen begegnen und welche Möglichkeiten wir gemeinsam darin erkennen.
Aus einem Führungsansatz wird ein gemeinsames Thema
In einer zweiten Phase haben wir das Thema für alle Mitarbeitenden geöffnet. Ein Inputreferat von Christine Geissbühler der BFH vermittelte das grundlegende Wissen und schuf eine gemeinsame Basis für die weitere Auseinandersetzung.
Gleichzeitig suchten wir freiwillige «Positive Pioneers» – Mitarbeitende, die Freude daran haben, das Thema mitzugestalten und innerhalb von weroSoft breiter zu verankern. Sie sollten Impulse aufnehmen, Gespräche ermöglichen und dazu beitragen, dass Positive Leadership über die Führung hinaus im Unternehmen ankommt.
Wichtig war uns dabei die Freiwilligkeit. Die Beteiligung an Positive Leadership sollte aus eigener Überzeugung entstehen und nicht aus dem Gefühl, einer Erwartung entsprechen zu müssen. Wir wollten Interesse wecken und Möglichkeiten schaffen – keinen zusätzlichen Pflichttermin im Arbeitsalltag.
Stärken entdecken beginnt mit Zuhören
Ein zentraler Schritt waren die persönlichen Stärkengespräche. Dafür entwickelte die Führung einen Leitfaden, der den Positive Pioneers als Hilfestellung für die Gespräche mit den Mitarbeitenden diente.
Im Mittelpunkt stand keine klassische Leistungsbeurteilung, sondern das bewusste Entdecken persönlicher Stärken und das Beantworten folgender Fragen:
- Was kann ich besonders gut? Was fällt mir leicht? Wofür werde ich gefragt?
- Wie gehe ich Aufgaben an? Welche VIA-Stärken geben mir Energie?
- Themen und Tätigkeiten, die Neugier, Freude oder Flow auslösen. Was würde ich gerne häufiger tun oder lernen?
- Was mir wichtig ist und woran ich mein Handeln ausrichte. Wann empfinde ich Arbeit als sinnvoll?
Auch die Teilnahme an diesen Gesprächen war freiwillig. Die Rückmeldungen dazu waren sehr positiv. Es entstanden viele bereichernde und teilweise sehr persönliche Gespräche, die Raum für neue Perspektiven auf sich selbst und aufeinander eröffneten.
Gerade dieser Austausch war für uns wertvoll. Im Tagesgeschäft sprechen wir häufig darüber, was als Nächstes erledigt werden muss. Hier nahmen wir uns bewusst Zeit für die Menschen hinter den Aufgaben.
Ein persönliches Profil macht Stärken sichtbar
Als Ergebnis jedes Stärkengesprächs entstand ein persönliches Stärkenprofil. Darin wurden die eigenen Stärken formuliert und visualisiert.
Die WAS-Stärken beschreiben, was jemand besonders gut kann: Fähigkeiten, Wissen und Talente, die eine Person einbringen kann. Die WIE-Stärken zeigen, welche persönlichen Qualitäten ihr Handeln prägen – beispielsweise, wie sie Herausforderungen angeht, mit anderen zusammenarbeitet oder Verantwortung übernimmt.
Ergänzt wurde das Profil durch ein persönliches Stärkenangebot: «Hier bringe ich besonders viel Energie und Wirkung ein – das biete ich an».
So entstand aus dem Gespräch etwas Greifbares. Ein Profil, das persönliche Qualitäten sichtbar macht und als Ausgangspunkt dienen soll, um diese im Arbeitsalltag bewusster einzusetzen.
Die Stärken-Vernissage, mehr als eine Ausstellung
Im Oktober 2026 folgt der nächste Schritt: unsere Stärken-Vernissage. Dabei sollen die erarbeiteten Stärkenprofile innerhalb von weroSoft sichtbar werden und miteinander in Verbindung kommen.
Eine Vernissage ist für uns mehr als eine Ausstellung. Sie schafft einen feierlichen Rahmen für Aufmerksamkeit, Würdigung und Begegnung. Menschen flanieren, entdecken, kommen ins Gespräch und lassen sich überraschen. Genau diesen Charakter möchten wir auf unsere Stärken übertragen.
Welche Talente schlummern im Team? Wer bringt Qualitäten mit, die andere bisher kaum wahrgenommen haben? Wo ergänzen wir uns? Und welche neuen Möglichkeiten entstehen, wenn wir die Stärken unserer Kolleginnen und Kollegen besser kennen?
Die Vernissage soll dazu beitragen, dieses vorhandene Potenzial zusammenzutragen: die Fähigkeiten, persönlichen Qualitäten und Erfolgsrezepte der Menschen, die weroSoft ausmachen. Gleichzeitig möchten wir Raum schaffen, um auf die eigenen Stärken und auf unser Team stolz zu sein.
Kleine Rituale geben der Haltung einen Platz im Alltag
Neben den Stärkengesprächen gehören auch kleine, wiederkehrende Impulse zu unserem Weg. Ein bewusstes Check-in zu Beginn einer Sitzung oder eines Gesprächs soll helfen, anzukommen, positive Erlebnisse zu teilen und offener miteinander in den Austausch zu gehen.
Im Pausenraum haben wir zudem eine «Positive Wall» eingeführt. Dort sammeln wir positive Erlebnisse des Monats. So erhalten schöne Momente einen sichtbaren Platz und können auch später nochmals Freude auslösen. Ein Erfolg, eine hilfreiche Geste oder eine erfreuliche Begegnung soll nicht einfach zwischen den nächsten Aufgaben verschwinden.
Als weiterer Schritt ist eine «Stärkenbar» geplant. Sie soll Raum bieten, schöne Momente mit kleinen Überraschungen zu teilen und positive Erlebnisse noch bewusster gemeinsam zu erleben. Diese Elemente sollen keine zusätzliche Pflicht schaffen. Wir möchten damit Gelegenheiten eröffnen, im Alltag innezuhalten und wahrzunehmen, was gelingt und guttut.
Stärken erkennen ist erst der Anfang
Unser eigentliches Ziel geht über Gespräche, Profile und eine Vernissage hinaus. Wir möchten die gewonnenen Erkenntnisse nutzen, damit Mitarbeitende ihre Stärken dort einsetzen können, wo sie sich entfalten und einen wertvollen Beitrag leisten.
Dabei geht es nicht darum, Menschen auf einzelne Fähigkeiten festzulegen. Ein Stärkenprofil soll Möglichkeiten öffnen und keine Schublade schaffen. Es kann helfen, Aufgaben bewusster zu verteilen, Unterstützung im Team zu finden und neue Formen der Zusammenarbeit zu entdecken.
Nach rund einem Jahr verstehen wir Positive Leadership deshalb nicht als abgeschlossenes Projekt. Wir sehen darin einen gemeinsamen Entwicklungsweg, den wir Schritt für Schritt gestalten. Die Unterstützung der BFH, das Engagement unserer Positive Pioneers und die Offenheit der Mitarbeitenden haben diesen Weg bisher geprägt.
Die Stärken-Vernissage wird ein nächster Meilenstein sein. Entscheidend bleibt jedoch, was danach im Alltag geschieht: ob wir einander aufmerksam begegnen, Stärken tatsächlich nutzen und Wertschätzung auch dann leben, wenn es anspruchsvoll wird.
Denn wir möchten nicht nur wissen, was uns stark macht. Wir möchten diesem Wissen im täglichen Miteinander Raum geben und damit zu einem motivierten und gesunden Mitarbeiter beitragen.